Warum macht Kaffee
ringförmige Flecken?

Um den Tisch sauber zu halten, spannte man zu Großmutters Zeiten ein kleines Schaumstoffröllchen unter den Schnabel der Kaffeekanne. Der Tropfenfänger kam bei jedem Kaffeekränzchen zum Einsatz. In modernen Bürogemeinschaften hat er sich bislang nicht durchsetzen können. Das könnte an der autoaggressiven Grundhaltung vieler Schreibtischtäter liegen: "Wir sind hier kein Kaffeekränzchen!" Die Tassen sind zwar immer voll, aber den Kaffee trinkt man so nebenbei. Dem entsprechend sehen die Schreibtische aus: braun gesprenkelt.

Es sind keine gleichmäßig gefärbten Kleckse, sondern kleine Ringe: Kaffeekränzchen eben, innen hell und mit einem dunklen äußeren Rand. Wenn Kaffee auf den Tisch läuft, bildet sich zunächst ein Tropfen. Er entsteht durch anziehende Kräfte zwischen den Wassermolekülen. Anstatt sich über die gesamte Unterlage zu verteilen, halten die Moleküle lieber zusammen. Diese Spannung, die Oberflächenspannung, verleiht der Flüssigkeit die typische Tropfenform. Der Kaffeetropfen haftet gleichzeitig an der Unterlage. Diese kann an unterschiedlichen Stellen verschieden rauh sein und den Flüssigkeitsmolekülen chemisch anders geartete Ankerplätze bieten. Der zunächst flexible Tropfen sucht sich eine energetisch günstige Lage. Dort bleibt er liegen, während das Wasser langsam zu verdunsten beginnt. Gerade so, als wäre er festgepinnt.

Die Flüssigkeit verdunstet in der Folgezeit zwar auf der gesamten Tropfenoberfläche. "Aber da der Rand fest ist, zieht sich der Tropfen beim Verdunsten nicht gleichmäßig zusammen", sagt Hans Riegler vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm bei Potsdam. Das Festhalten an der Peripherie bedingt, dass das, was am Rand an Flüssigkeit verdunstet, aus der Tropfenmitte nachgeliefert werden muss. "Es gibt einen Nettofluss innerhalb des Tropfens zum Rand hin, während der Tropfen immer flacher wird."

Mit diesem Strom wandern auch die in der Flüssigkeit gelösten Farbstoffe des Kaffees nach außen. Die Folge: Die Farbstoffkonzentration am Rand steigt. Wenn das Wasser schließlich komplett verdunstet ist, bleiben die Farbstoffe als brauner Ring zurück.