Warum verlieren Socken
ihren Partner?

Ich gehöre zu den Männern, die zu jeder Kleidung die passenden Socken tragen müssen. Unmöglich kann ich schwarze Socken mit braunen Schuhen kombinieren oder blaue mit einer orangefarbenen Hose. Damit habe ich mir schon eine Menge Ärger eingehandelt. Stellen Sie sich einmal vor, Sie waschen zehn verschiedene Paar Socken: rein in die Maschine, raus aus der Maschine und ab auf die Leine. Dort hängen nach der Wäsche zu Ihrem Verdruss aber nicht 20 Socken, sondern nur 18. Zwei fehlen.

Das passiert heutzutage leicht. Die hohen Umdrehungsgeschwindigkeiten von bis zu 2000 Umläufen pro Minute beim Schleudergang treiben die Socken in die hintersten Ecken der Trommel. Sie bleiben an der Innenwand kleben und führen ihre Randexistenz bis zur nächsten Wäsche unbemerkt fort. Dann spült sie 90 Grad heißes Wasser in ein neues, unbekanntes Umfeld, sie lernen das Innenleben eines Plumeaubezugs kennen oder werden von einem Kopfkissenüberzug verschluckt, den man monatelang nicht mehr aus dem Schrank nehmen wird. Auf solche und andere Weise machen sich Socken zwischen Wäschekorb und Kleiderschrank mir nichts, dir nichts davon

Es fehlt zum Beispiel der Taubenblaue. Dann ist der zweite Vermisste jedoch nicht etwa auch taubenblau. Die anderen neun Paare sind nun nämlich klar in der Überzahl. Deshalb ist es viel wahrscheinlicher, dass neben dem taubenblauen ein weiterer Socken seinen Partner verliert, der graue zum Beispiel. Und schon sind's nur noch acht Sockenpaare.

Robert Matthews von der Aston University in Birmingham hat ausgerechnet, wie übel uns die Statistik mitspielen kann. Gesetzt den Fall, Sie haben zehn Paar Socken und beim Waschgang verschwinden auf irgendeine mysteriöse Weise sechs Socken. Dann ist es 100mal wahrscheinlicher, dass der schlimmste Fall eintritt und nur vier Paar und sechs einzelne Socken übrig bleiben, als dass es vergleichsweise glimpflich abläuft und noch sieben Paar vollzählig sind. Das ist eine besonders bösartige Spielart von Murphys Gesetz: Was schief gehen kann, geht schief.

Dem notorischen Sockenschwund ist allerdings durch ein bisschen Mathematik beizukommen. Wer Sockenpaare im Fünferpack kauft und sich auf zwei verschiedene Varianten beschränkt, kommt wesentlich besser weg. Man kann dann außerdem beliebig viele Socken waschen, ohne dass sich die Sache verschlimmert. Mich dagegen kommt jedes zusätzliche Paar in der Maschine teuer zu stehen. "Je größer die Vielfalt, umso schlimmer wird's", sagt Matthews. Übertriebene Eitelkeit ist ein Trennungsgrund. Zumindest für Socken.