Warum spuckt der Taucher
in die Brille?

Spucke auf einer Brille verbessert die Sicht. Das klingt wie ein Scherz, aber Tauchern hilft der Speichel tatsächlich. Er verhindert, dass ihre Maske beschlägt.

Die Taucherbrille ist eine eigenartige Sehhilfe. Das Wichtigste daran ist der Luftraum vor dem Auge. Ohne ihn büßen wir unter Wasser unsere Sehschärfe ein. Wer ohne Brille mit offenen Augen taucht, sieht alles verschwommen. Er kann in 20 Zentimetern Abstand gerade noch die fünf Finger an einer Hand abzählen.

Im Wasser breitet sich Licht anders aus als in der Luft. Beim Übergang von einem Medium ins nächste ändern sich sowohl die Geschwindigkeit als auch die Richtung der Lichtstrahlen: Sie werden gebrochen. In Wasser verringert sich die Lichtgeschwindigkeit gegenüber Luft um den Faktor 1,3.

Unser Auge macht sich dies zunutze. Die Lichtstrahlen kommen beim Übertritt von der Luft zur Hornhaut stark vom ursprünglichen Kurs ab. Die Hornhaut hat eine noch beachtlichere Brechkraft als die eigentliche Augenlinse. Zusammen mit ihr fokussiert sie das Licht auf die Netzhaut.

Das ändert sich beim Tauchen. Setzt man keine Maske auf, durchquert das Licht vor dem Eintritt ins Auge nicht Luft, sondern Meerwasser. Das aber unterscheidet sich physikalisch gesehen kaum vom wässrigen Hornhautgewebe. Die Ablenkung der Lichtstrahlen durch die Hornhaut unterbleibt daher.

"Beim Eintauchen der Augen in Wasser wird die Brechkraft der Hornhautvorderfläche von zirka plus 43 Dioptrien aufgehoben", sagt Dieter Schnell, Leiter der Arbeitsgruppe Sportophthalmologie des Berufsverbands der deutschen Augenärzte. Den Fischen nützt eine Hornhaut zum Scharfsehen daher wenig. Sie haben eine umso stärkere kugelige und verschiebbare Linse. Taucher dagegen sind auf eine Sehhilfe angewiesen. "Um scharf zu sehen, muss man entweder eine extreme Pluslinse als Korrektur vorsetzen oder einen luftgefüllten Raum."

Letzteren bietet die Tauchermaske. Ihr Nachteil: Sie beschlägt leicht. Auf der kalten Frontscheibe setzt sich Feuchtigkeit ab, die unsere Haut bildet. Sie kondensiert zu fein verteilten Wassertröpfchen und behindert die Sicht. Taucher spucken daher in die Brille, verreiben den Speichel und spülen die Maske vor dem Aufsetzen kurz mit Wasser aus. Die Spucke enthält Proteine. Sie sind kaum wasserlöslich und bleiben an der Scheibe haften. Die Glykoproteine senken zudem - ähnlich wie Spülmittel - die Oberflächenspannung des Wassers, so dass dieses keine undurchsichtigen Tröpfchen mehr bilden kann, sondern allenfalls einen dünnen Wasserfilm.