Sterne wie Sand am Meer

Sterne und Sand sind häufig verwendete Symbole für die Unzählbarkeit. Schon in der Bibel heißt es, die Nachfahren Abrahams sollten so zahlreich sein "wie Sterne am Himmel und Sand am Ufer des Meeres". Die Zahl der Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, summiert sich inzwischen auf mehr als 100 Milliarden. Mit wie vielen Nachkommen ist noch zu rechnen?

Eins: Sirius. Zwei: Canopus. Drei: Toliman. Vier: Arktur. Fünf: Wega. Man müsste lange zählen, wollte man alle Sterne ihrer Helligkeit nach oder sonst wie ordnen. In einer klaren Dezembernacht können wir außerhalb der Stadt mit bloßem Auge ein paar tausend Sterne am Himmel sehen. Mit einem guten Feldstecher kommen wie bereits auf mehr als einige Hunderttausend Sonnen. Doch funkeln allein in der Milchstraße 100 Milliarden Sterne. Oder mehr. Thorsten Lisker vom Zentrum für Astronomie der Uni Heidelberg schätzt, dass das sichtbare Universum zehn Trilliarden Sterne umfasst. "Es gibt ungefähr 100 Milliarden Galaxien und 100 Milliarden Sterne pro Galaxie." Allerdings könnten wir nur einen Teil des Alls überblicken.

Sterne werden geboren und verglühen irgendwann wieder. Heute entstehen weniger Sterne als in den ersten Jahrmilliarden nach dem Urknall. Doch liegt der Anteil der massearmen, langlebigen Sterne so hoch, dass derzeit weniger Sterne verglühen, als neue hinzukommen. Die Zahl der Sterne nimmt demnach zu.

Auch die Zahl der Sandkörner nimmt zu, da zunehmend kleine Körnchen entstehen, die länger leben. Wüstensand prallt beim Transport durch Wind aneinander. Die Ecken werden abgeschlagen, er rundet ab. Je feiner der Quarzsand, umso resistenter ist er gegen weiteren Abrieb.

Die Korngröße entscheidet auch darüber, wie viele Sandkörner in einen Würfel von einem Meter Kantenlänge passen. Bei groben, griesartigen Partikeln von einem Millimeter Durchmesser, sind es zirka eine Milliarde Sandkörner, bei 0,2 Millimeter feinem Sand 100 Milliarden. Noch feinerer Dünensand sprengt die Billionengrenze.

In der Sahara dominierten an der Oberfläche 0,1 bis 0,2 Millimeter große Sandkörner, erläutert die Geografin Barbara Sponholz von der Uni Würzburg. Denken wir uns ganz Deutschland einen Meter hoch damit bedeckt. Das ergäbe 350 Milliarden Würfel, von denen jeder gut 100 Milliarden Sandkörner enthält, macht: 35 Trilliarden.

Nun ist die Sahara 26mal so groß wie Deutschland. Sponholz schätzt, dass ein Drittel davon mit Sand bedeckt ist. In manchen Teilen sind nur die obersten zehn bis 30 Zentimeter lockerer Sand. Dagegen können geologische Becken dutzende Meter hoch mit Sand gefüllt sein. "Und die höchsten Dünen sind bis zu 400 Meter hoch." Hier ist der Sand lockerer, da kompakter. Niemand vermag ihn zu zählen. Womöglich gibt es allein in der Sahara mehr Sandkörner als Sterne im All. Nimmt man alle Wüsten und Küsten zusammen, dürfte die Sandzahl die heute geschätzte Zahl der Sterne weit übertreffen.